Montag, den 10. Mai 2021 um 06:19 Uhr

Bezahlen mit Bronzebruchstücken: Forscher decken Aufkommen von Kleingeld in der Bronzezeit auf

Wie haben die Menschen in der Bronzezeit Bezahlungen geregelt, bevor sich Münzgeld durchsetzte? Forscher der Universitäten Göttingen und Rom haben herausgefunden, dass fragmentierte Bronzebruchstücke ehemaliger Objekte („Bronzeschrott“), welche in Hortfunden in Europa gefunden wurden, als Währung verwendet wurden. Diese Bruchstücke, die etwa von Schwertern, Äxten und Schmuck stammen, wurden in der späten Bronzezeit (1350 bis 800 vor Christus) als Bargeld genutzt.

(pug) In ihrer Masse entsprachen sie einem europaweit gültigen Gewichtssystem. Offenbar hat sich im ganzen westlichen Eurasien etwa 1000 Jahre vor dem Beginn der klassischen Zivilisationen eine Art „globaler Markt“ entwickelt, bei der einfache Menschen Bronzebruchstücke als alltägliches Bargeld nutzten. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science erschienen.

Die Forscher analysierten rund 2.500 Metallobjekte und -fragmente aus mehreren Tausend Hortfunden, welche aus der späten Bronzezeit stammen und in Mitteleuropa und Italien ausgegraben wurden. Sie nutzten eine statistische Technik, mit der sie feststellen können, ob eine stichprobenartige Messung auf ein zugrundeliegendes System zurückzuführen ist. So können die Forscher erkennen, ob es sich bei den analysierten Objekten um das Vielfache einer bestimmten Gewichtseinheit handelt. Das Ergebnis: Die untersuchten Stücke wurden offenbar absichtlich zerkleinert, um bestimmte vorgegebene Gewichte zu erreichen. Die Gewichtseinheit, welche die Masse der Metallobjekte regelte, war identisch mit der Einheit, die auch bei den Waagengewichten derselben Zeit in Europa genutzt wurde. Die Forscher schlussfolgern, dass die Stücke als Bargeld verwendet wurden und dass das Zerkleinern von Bronzeobjekten darauf abzielte, Kleingeld zu erhalten.

Urgeschichtlicher Handel wird oft als ein primitives System dargestellt, das auf Tauschhandel beziehungsweise dem Austausch von Gaben oft zwischen gesellschaftlich hochstehenden Persönlichkeiten basierte. Geld taucht bei diesen Annahmen dabei erst als eine Art evolutionärer Meilenstein auf, als die ersten westlichen Staaten entstehen. Die Studie stellt dieses Bild in Frage: Geld war eine „bottom-up-Übereinkunft“ statt eine Regulierung von oben herab. Das bronzezeitliche Geld in West-Eurasien erscheint in einem gesellschaftspolitischen Kontext auf, in dem öffentliche Institutionen entweder nicht existierten – wie in Europa – oder kein Interesse daran hatten, eine bestimmte Art von Geldpolitik durchzusetzen – wie in Mesopotamien. Tatsächlich war Geld weit verbreitet und wurde täglich von allen Schichten der Gesellschaft verwendet.

Zeitgleich entwickelte sich ein globaler Markt im westlichen Eurasien. „Das Bezahlen mit Metallstücken war nicht primitiv, denn diese Art Geld – bevor Münzen erfunden wurden – erfüllte genau die gleichen Funktionen wie das moderne Geld heute“, sagt Dr. Nicola Ialongo vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. „Dass diese Metallreste verwendet wurden, ist im Grunde genommen für uns nicht unerwartet. Wahrscheinlich wurden schon lange vor Entdeckung der Metallurgie verderbliche Waren als Zahlungsmittel verwendet. Der eigentliche Wendepunkt kam aber, als Menschen um 3000 vor Christus im Nahen Osten das Abwiegen von Gewicht erfunden haben. Damit stand erstmals in der Menschheitsgeschichte ein objektives Mittel zur Verfügung, um den ökonomischen Wert von Dingen und Dienstleistungen zu quantifizieren, ihnen also einen Preis zuzuordnen.“


Den Artikel finden Sie unter:

https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=6252

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen (05/2021)


Publikation:
Stefanie Kreutmair, Susanne Unger, Nicolás Gonzalo Núñez, Florian Ingelfinger, et. al. Unique immunological signatures distinguish severe COVID-19 from non-SARS-CoV-2-driven critical pneumonia. Immunity (in press, available online from 10 May 2021).

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